Flügelärmel

!Whoop Nr. 16 bekommt Flügel – ein Tutorial

Flügelärmel sind einfach selbst konstruiert – eine Anleitung dazu findet ihr hier!

Seit ich vor etwa einem Jahr das Kleid Nr. 16 von !Whoop für uns entdeckt hab, nähe ich es quasi für die Prinzessin auf und ab. Es ist unser erklärter Sommer-Lieblingsschnitt! Nicht nur ist er superschnell und einfach genäht (super für die Mama!) – die Prinzessin liebt ihn, weil sich der Rock sooo schön dreht!

Wenn man allerdings so an der (gefühlt) 10ten Version des gleichen Kleides sitzt, beginnt man über Varianten nachzudenken. Und so kam mir die Idee mit den Flügelärmel. Da kein Schnittteil dazu vorhanden war, wurden noch ein paar Gehirnzellen in die Schnittkonstruktion gesteckt und nun hab ich ein – so denke ich – auf alle Größen anwendbares Konstruktionsschema für euch:

Zuerst konstruieren wir uns das Schnittteil!

Für die Konstruktion des Flügelärmel-Schnitteils habe ich auf den Gustostückerl-Fundus (=Küche) zurückgegriffen und den größten Topfdeckel, den ich besitze ausgewählt. (Ich wollte die Flügelärmel nämlich etwas „abgeflacht“ haben. Ein Zirkel oder – mein erster Gedanke: die Tortenform – bietet das leider nicht, da die Rundung dafür außerhalb des Durchmessers gezogen werden muss.)

Ihr braucht für euren Schnitt also: Papier, Lineal, Stift und einen großen Topfdeckel

Für die Länge des Flügelärmels habe ich mir am Schnitt den Armauslass ausgemessen. Der Einfachheit halber habe ich Nahtzugaben etc. nicht berücksichtigt.

Bei der von mir genähten Größe (98) hatte ich zudem eine gerade Zahlt – sollte dies mal nicht der Fall sein, würde ich einfach runden. Da der Flügelärmel ja gekräuselt eingenäht wird, ist dieses Maß nicht so genau!

Bei meinem Kleid (Größe 98) waren es je Schnittteil 15 cm, ergibt zusammen also eine Länge von 30 cm für diesen Flügelärmel.

Mit dem so ermittelten Maß (in meinem Fall wie gesagt 30 cm) habe ich auf einem Stück Papier eine Linie gezogen.

Um eine schöne Rundung zu erhalten, habe ich – wie auf dem Bild ersichtlich – diesen Topfdeckel so angelegt, dass die vorher gezogene Linie mit der Seite abschließt. Dann hab ich einfach die Rundung nachgezeichnet.

Und somit ist der Flügelärmel eigentlich auch schon konstruiert!

Flügelärmel

Nun noch zum Finetuning:

Da ich den Flügelärmel nicht allzu ausladend wollte, habe ich keine Nahtzugabe angefügt, sondern meine übliche Nahtzugabe von 0,7 cm nach innen gelegt.

Ob man an der Rundung eine Nahtzugabe nimmt, hängt von der gewünschten Saumart ab. In einer Variante habe ich mit einem Rollsaum gearbeitet, daher war keine Nahtzugabe nötig. Bei der 2. Variante habe ich den Flügelärmel gesäumt – allerdings nur mehr 1 cm Nahtzugabe hinzugefügt, damit der Flügelärmel nicht zu ausladend wird.

Dies ist aber absolut Geschmackssache – also einfach ausprobieren, wie man den Flügelärmel ausgestalten möchte!

Da der Flügelärmel gekräuselt angenäht wird, es aber einfacher ist, wenn Beginn und Ende ungekräuselt sind, beginne (und beende) ich die Kräuselung 1 cm vor dem Ende des Flügelärmels.

Eingekräuselt wird auf die Hälfte des ermittelten Armauslasses. Ich denke, nur auf 2/3 zu kräuseln wäre auch sehr hübsch!

… und jetzt wird genäht!

Zugeschnitten habe ich mir die beiden Flügelärmel natürlich gegengleich (damit – abhängig vom Muster – dieses nicht bei einem Ärmel am Kopf steht!)

Es empfiehlt sich, die Flügelärmel gleich vor dem Einkräuseln zu Säumen!

Danach habe ich mir je 1 cm von den beiden Zipfeln an der gerade Seite entlang gemessen und zwischen diesen Markierungen die Ärmel auf die halbe Länge des Ärmels (1/2 Armauslass-Länge) eingekräuselt.

Einkräuseln – Viele Wege führen nach Rom…

Ich persönlich kräusle gerne mit Framilonband, hat man dies jedoch nicht zur Hand, geht das ganz fix mit der Nähmaschine:

Dafür reduziert man die Fadenspannung und stellt den Geradstich mit der größten Stichlänge ein. Nun näht man die zu kräuselnde Strecke einmal ab OHNE am Anfang und am Ende zu verriegeln. (Es empfiehlt sich auch etwas Garn dran zu lassen.)

Ich nähe gern neben der 1. Naht noch gerne eine 2., da ich festgestellt habe, so lässt sich die gekräuselte Strecke leichter an einen anderen Teil annähen.

Um die Strecke einzukräuseln, verknotet man die überstehenden Fäden an einer Seite und zieht nun auf der anderen Seite an den beiden Unterfäden. So schiebt man den Stoff auf die benötigte Länge zusammen.

Nun näht man die Flügelärmel rechts auf rechts im Armauslass an.

Dafür habe ich mir am Schnittteil die Mitte markiert, die nun mit der Schulternaht zusammentrifft.

ACHTUNG: Bei diesem Schnitt ist der Ärmel dann symmetrisch, da beide Armlochteile in diesem Fall gleich groß sind. Wendet man dieses Tutorial bei anderen Schnitten an, sollte man hier einen kurzen Blick draufwerfen, damit der Flügelärmel schließlich schön platziert auf der Schulter sitzt.

Nun sind wir fast fertig! Für einen schönen Saumabschluss an den Armauslässen gibt es mehrere Varianten – zwei stelle ich euch gleich vor:

Flügelärmel säumen – einfache Variante

Flügelärmel

Ich habe den Ärmel VOR dem Schließen der Seitennaht angenäht und so (obwohl bei Jersey unnötig), den gesamten Armauslass versäubert.

Mit diesem Einfachen Trick ist der Armauslass ganz einfach gesäumt, wie ihr im nächsten Bild sehen könnt.

Nachdem man nämlich die Seitennähte geschlossen hat, klappt man nun nämlich einfach die gesamte Nahtzugabe nach innen. Die Overlocknaht erleichtert das meiner Meinung nach etwas.

Flügelärmel
Flügelärmel

Nun wird nur noch rundum abgesteppt – gerne mit der Zwillingsnadel oder auch mit der Covermaschine. Es geht allerdings auch ein normaler Geradstich mit relativ großer Stichlänge.

Flügelärmel

Flügelärmel säumen – mit Bündchenabschluss

Flügelärmel

Bei der etwas aufwändigeren Variante habe ich mich für Bündchen unter dem Flügelärmel entschieden.

Dabei wird der Flügelärmel wie oben beschrieben angenäht.

Das Bündchen habe ich nach der allgemeingültigen Formel (Armauslass x 0,8) errechnet und etwa 3,5 cm breit zugeschnitten.

Dann habe ich das Bündchen im Rund angenäht. Dabei zeigt das Bündchen – wie am Bild ersichtlich – zur linken Stoffseite des Flügelärmels (der wiederum rechts auf rechts mit dem Kleid liegt!).

Man könnte den Flügelärmel und das Bündchen natürlich auch in einem Nähschritt annähen, ich habe mich allerdings für die „sichere“ Variante entschieden und das Bündchen erst danach separat angenäht.

Nun kann man die Nahtzugabe noch schön absteppen. (Ich bin ja ein großer Fan vom Absteppen!) Damit sieht das Kleidungsstück einfach sauber genäht aus und es „wuzelt“ sich auch keine Nahtzugabe nach außen.

Flügelärmel
Flügelärmel

Was meint ihr?
Mit den einfach genähten Flügelärmeln wirkt Kleid Nr. 16 doch gleich ganz anders, oder?

Flügelärmel
Flügelärmel

Gutes Gelingen und viel Freude mit euren Flatter-Kleidern wünscht euch Irene von Gustostückerl

Long story short:

Schnittkonstruktion

  • Länge des Schnittteils = Länge des Armauslasses laut Schnittbogen
  • Rundung mit einem großen Topfdeckel zeichnen
  • 1 cm oben und unten sowie die Mitte markieren
  • nach Gusto: Nahtzugabe hinzufügen

Nähen

  • Kleid soweit fertigstellen, dass die Schulternähte geschlossen, die Seitennähte jedoch noch offen sind
  • 2 Flügelärmel (gegengleich) zuschneiden (ACHTUNG: Nahtzugabe nach Gusto wählen)
  • Flügelärmel säumen
  • Ärmel auf 1/2 (alternativ 2/3) der Länge des Armauslasses einkräuseln
  • Flügelärmel rechts auf rechts an das Kleid nähen
  • Seitennähte schließen
  • Armauslässe säumen
    1. VARIANTE – einfacher Saum:
      • Nahtzugabe im gesamten Armauslass nach innen legen und feststeppen
    2. Variante – Saum mit Bündchenabschluß:
      • Bündchen vorbereiten: Länge Armauslass x 0,8 (+ NZ) x 3,5 -4 cm
      • Bündchenring schließen und links auf links falten
      • Bündchen im Ring annähen
      • Option: Nahtzugabe absteppen

Den Schnitt gibt’s sowohl für Kids als auch Teens und die Mamas!

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