Näh-ABC: 5 Irrtümer zur Nahtzugabe

Mythen und Irrtümer rund um das Thema Nahtzugabe

Was eine Nahtzugabe überhaupt ist, wissen wohl die meisten. Wir wollen an dieser Stelle aber einmal auf die häufigen Irrtümer zum Thema Nahtzugabe schauen und sie aufklären.

1. Ich lasse die Nahtzugabe einfach weg.

Einer der häufigsten Fehler. Der Gedanke dahinter: man liegt zwischen zwei Größen oder der Schnitt liegt nur in einer zu großen Kleidergröße vor. Die Nahtzugabe wegzulassen klingt erstmal gut, denn dadurch wird das Kleidungsstück ja einfach eine Nummer kleiner. Oder?

Nein, dadurch versaust du dir im schlimmsten Fall die Passform. Warum ist das so?

Schau dir mal einen Schnittmusterbogen etwas genauer an. Die Größenunterschiede sind nicht an allen Stellen gleich. Wenn du die größte Größe dieses Ärmels ansiehst und dann im gleichen Abstand einfach drumherum nähst, ist dein Ärmel nicht eine Nummer kleiner. Das passt oben und unten zwar ganz gut. Aber an den Seiten ist er ganze fünf Größen kleiner!

2. Die Nahtzugabe und Nahtabstand sind unterschiedlich

Ein ganz häufiger Fehler, der jede Passform ruinieren kann ist, dass du eine Nahtzugabe von einem Zentimeter gibst, aber dann nur füßchenbreit, also 0,7 Zentimeter nähst. Du magst denken, dass die drei Millimeter nichts ausmachen… aber weit gefehlt. Denn es sind schon 6 Millimeter an jeder Naht. 3 von der einen Stoffseite und weitere 3 von der anderen Stoffseite. Wenn du nun ein Kleidungsstück mit einigen Nähten und Teilungen hast, dann kommt da ganz schön was zusammen. Selbst bei einem einfachen Shirt sind das schon 1,2 Zentimeter Unterschied in der Weite. Und am Ende sitzt nichts mehr wie es soll. Achte also unbedingt darauf, dass du im gleichen Abstand nähst, wie du auch deine Nahtzugabe gegeben hast.

3. Füßchenbreite Nahtzugabe ist immer richtig

In vielen Fällen kommst du damit gut klar. Aber sobald du etwas nähen möchtest, dass gut sitzen soll und spätere Anpassungen notwendig sein können, solltest du mehr Nahtzugabe geben. Denn das ist der Bereich, den du später „auslassen“ kannst, wenn es irgendwo zu eng ist. Wenn kein Stoff zum Auslassen da ist, weil die Nahtzugabe zu schmal gewählt wurde, dann hast du leider schlechte Karten und musst im schlimmsten Fall komplett neu zuschneiden.

4. Die Nahtzugabe wird immer auseinander gebügelt

Dieser Gedanke kommt daher, dass eine Naht dann nicht so dick wird und aufträgt. Denn statt vier Lagen Stoff liegen so nur zwei übereinander. An vielen Stellen macht das also tatsächlich Sinn. Allerdings ist eine solche Naht weniger stabil, als wenn die Nahtzugabe zu einer Seite gelegt wird. Denn die gesamte Kraft wirkt nun nur noch auf das Garn ein. Die Naht kann leichter reißen. Wenn du also Nähte hast, die stark beansprucht werden (zum Beispiel Schulternähte) solltest du abwägen und die Nahtzugabe in eine Richtung legen.

Auch bei transparenten Stoffen kann es sinnvoll sein, die Nahtzugabe nur in die Richtung zu legen, in der sie optisch weniger stört.

5. Nahtzugaben müssen immer versäubert werden

Bei fransenden Stoffen wie Baumwolle stimmt das meistens. Bei Jersey und Sweat allerdings ist ein Versäubern grundsätzlich nicht notwendig, da diese Stoffe nicht ausfransen. Teilweise ist es sogar angenehmer, auf die Versäuberung zu verzichten, weil die Nahtzugabe dadurch weicher bleibt und sich nicht so sehr abzeichnet oder beim Tragen stört. Dort hat die Versäuberung eher einen Schmuckwert.

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