Tüddeln für Jungs: Backstage bei Anna von Moldüser – Feuerwehr Charly Pulli

An dem Hoodie nach dem Schnitt von Klimperklein habe ich etwa 9 Stunden gearbeitet – ich gewähre euch hier einen Blick hinter die Kulissen. Es geht los!

Stoffauswahl

Endlich habe ich mich für einen Stoff entschieden, den ich vernähen möchte. Ein Stoff wird zum Hauptstoff des Nähwerks und gibt auch das Thema vor. In diesem Fall ist es das coole Feuerwehr Charlie Panel der Fuchsfamilie. Passend zu diesem Hauptstoff wähle ich nun alle möglichen Kombistoffe aus. Manchmal zieht sich diese Auswahl über ein paar Tage hin. Dann liegt der Stoffstapel auf meinem Tisch und wird im Vorbeigehen immer wieder kritisch beäugt. Stoffe werden vielleicht noch hinzu gelegt, andere wieder ins Stoffregal geräumt. Ich kombiniere unheimlich gerne mit Streifenstoffen, da diese schöne Highlights setzen können. Auch markante Farben im Hauptstoff greife ich gerne auf, um Akzente zu setzen. Wichtig für mich ist: Die Farben dürfen sich nicht beißen, müssen miteinander harmonieren. Auch sollten Musterstoffe sich nicht zu ähnlich sein, sondern klar erkennbare Kontraste bilden. Dass ich die rot weißen und schwarz weißen Streifen zusammen vernähe ist so ziemlich ausgeschlossen, weil ihre Streifenbreite sich zu sehr ähnelt und für mich dadurch zusammen unstimmig wirkt.

Teilungen

Da ich es meist langweilig finde, immer den selben Schnitt zu nähen, bastel ich mir meine Teilungen gerne selbst. In diesem Fall fertige ich vor Beginn eine Skizze an, in der ich meine Ideen festhalte, mir Infos zu einzelnen Bereichen notiere und auch schon überlege, in welcher Art ich Tüddel einbauen kann. Nutze ich ein Schnittmuster so, wie ich es auch gekauft habe, lasse ich diesen Schritt aus und Tüddel erst während des Nähprozesses drauf los.

Los geht es! Mit Lineal und Zirkel zeichne ich mir meine Teilungen auf mein Schnittmuster und zerschneide es. Wie ihr seht, nicht zum ersten Mal. Im Anschluss wird es wieder zusammen geklebt, dann kann ich es immer wieder nutzen.

Zuschnitt

Als erstes schneide ich den Hauptstoff zu, denn um den soll sich ja alles drehen! Was mir wirklich wichtig ist, ist die Position des Panels. Das Motiv muss exakt sitzen. In diesem Fall möchte ich es mittig haben. Dafür lege ich den Stoff in den Bruch und überprüfe mit den Fingern, ob die Außenkanten des Motivs übereinander liegen. Erst dann wird das SM aufgelegt. Dabei natürlich auch nochmal geguckt, ob es auch in der Länge mittig sitzt.

Das Vorderteil – der erste Eindruck zählt

Und zugeschnitten! Da liegt es und nun gibt es kein zurück mehr! Ob das was wird? So wie ich es mir gedacht habe? Auf jeden Fall wandert es nun auf den Boden, dort lege ich alle Teile zusammen hin, um aus der Ferne einen Eindruck für das zu bekommen, was da entsteht.

Auch der obere Teil des Pullis wird, passend im Farbverlauf, zugeschnitten. In die Ausschnitte am unteren Rand setze ich den ersten Kombistoff so ein, dass die Motive mittig sitzen und vom Halbkreis umrahmt werden. Die Feuerwehrautos außen gucken sich an, was ich insgesamt freundlicher finde, wenn durch solche Elemente der Blick zur Mitte des Pullis gerichtet wird und nicht nach außen zum Rand flieht.

Bevor ich den nächsten Kombistoff schneide und einfüge überprüfe ich noch einmal durch hinterlegen, ob er wirklich passt. Tatsächlich war mir der erste rote Uni einen Tucken zu dunkel. Der etwas hellere passt besser zu dem Farbton von Charlies Uniform. Wie gut, dass meine Unifarbpalette durch das Applizieren inzwischen recht umfangreich ist *g*. Um zu erkennen, wie sich der Stoff im Gesamtbild macht, lege ich auch schon ersten Tüddel provisorisch auf.

Nach dem Zuschnitt und vor dem Nähen vergewissere ich mich noch einmal, ob alles passt. Alle Teile passen zusammen und kommen meinem ursprünglichen Plan recht nah. Die Grundlage ist nun also fertig. Doch eine Sache fehlt noch….

So sieht mein zerschnittenes Schnittmuster von der Vorderseite nun übrigens aus. Ob ich das Puzzel wieder zusammen gesetzt bekomm? Heute nicht mehr…

Fakepaspeln – Welcher Stoff soll es sein?

Ich setze Streifen unheimlich gerne als Fakepaspeln ein. Sie lassen Übergänge zwischen zwei Stoffen interessanter wirken und bilden einen optischen Blickfang. Doch welche Streifen sollen es sein? Alle drei Streifen haben ihre Reize, aber so ganz überzeugen können mich eigentlich nur zwei. Die bunten Streifen sind zu breit und eignen sich als Fakepaspel dadurch eher weniger. Die Wahl zwischen rot/weiß und schwarz/weiß ist noch nicht entschieden…

Um mich besser entscheiden zu können lege ich weiteren Tüddel auf, den ich bereits geplant habe. Kleine Jerseynudeln mit Knoten, Knöpfe, Snappaprahmen… schnell wird klar, dass der schwarz/weiße Stoff in meinen Augen einen besseren Kontrast bildet und gleichzeitig etwas Ruhe reinbringt. Außerdem ist der Rotton der Streifen nicht zu 100 % identisch mit dem rot, welches ich bereits genutzt habe.

Ran an die Nähmaschine

Endlich sind alle vorerst wichtigen Entscheidungen getroffen und es geht ans Zusammennähen!

Das Absteppen der Kanten mit dem dreifach Zickzack sorgt nicht nur dafür, dass die Nahtzugabe im inneren schön flach anliegt, sondern setzt auch nochmal einen schönen, aber dezenten Akzent.

Zwischenergebnis – das gucke ich mir immer wieder in Ruhe an!

Weitere Teile finden zueinander, so sieht es doch schon gleich viel schöner aus!

Und auch die unteren Kreise sind nun gefüllt. Die Bilder werden mit der Fakepaspel (diese hat eine zugeschnittene Breite von 3 cm inkl. NZG) schön umrahmt.

Fertig! Alle zugeschnittenen Einzelteile (11 Stück!) des Vorderteils sind zusammen genäht. Die Grundlage des ganzen Pullis ist nun also fertig!

Möge das Tüddeln beginnen

Nun geht es an das richtige Tüddeln. Manche Stoffe haben schön gestaltete Randstreifen mit Texten oder kleinen Bildchen. Diese kann man super nutzen, um den Pulli thematisch passend aufzupeppen. Dafür schneide ich mir gerne einen passenden Snappaprahmen mit einer Breite von 5 cm zu und klebe diesen mit Stoffkleber auf den Stoff. Ein kleines Bild im Rahmen entsteht.

Nach und nach lege ich alles auf und gucke, wie es wirkt. Ist es zu viel, zu überladen? Wirkt es stimmig? Fehlt etwas? Mein Tipp: Damit es nicht zu überladen wirkt, sollte man in all dem verschiedenen Tüddel Gemeinsamkeiten wiederfinden. So haben meine Knöpfe eine ähnliche Farbe wie das Snappap und die Jerseynudeln sind aus dem selben Stoff wie die Fakpaspeln. Das bringt Ruhe ins Ganze.  Dadurch, dass sich die Formen aber unterscheiden (Kreis, Rechteck, Linie) wirkt das ganze interessant und es gibt viel zu entdecken.

Nähe ich noch das Sternlabel unter?

Und sollen die Löcher der Knöpfe eigentlich senkrecht oder quer liegen? Das mag nur eine Kleinigkeit sein, kann aber doch eine große Rolle bei der Wirkung spielen!

Und einmal alles angenäht!

Die Ärmel – die Qual der Wahl

Nun geht es endlich an den Rest des Pullis. Ärmel und Kapuze werden zugeschnitten, das Bündchen probehalber untergelegt. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, wie das mittlere Teil des Ärmels aussehen soll. Eigentlich würde ich gerne den Kombistoff des Panels nehmen. Davon habe ich nur leider nicht mehr genug, um die geplanten Biesen zu nähen.

Ich packe also wieder meine Jerseysammlung aus… der hellere Blauton ist nicht 100 % stimmig mit den Blautönen des übrigen Stoffs. Aber der dunklere Ton wirkt harmonisch zum Rest. Also entscheide ich mich dafür!

Mein allererstes Mal! Biesen nähen. Noch nie gemacht, nicht nachgelesen, wie es geht, einfach ausprobiert! Das ist auch mein Tipp an euch! Probiert aus, macht einfach mal ohne Angst davor zu haben, dass es schief gehen könnte. So entstehen die tollsten Unikate mit deiner eigenen Note! Das weiße Garn habe ich bewusst gewählt, weil ich einen Kontrast erzeugen wollte. Obs gut war? Da bin ich mir tatsächlich noch nicht so ganz sicher.

Probeliegen aller 6 Ärmelschnittteile.

Und natürlich den Blick fürs Gesamte nicht verlieren!

Nun sind die Ärmel ganz. Alle Nahtzugaben habe ich wieder mit dem weißen Garn abgesteppt. So wie alle vorherigen auch. Hier macht es wieder Sinn bei einer Farbe zu bleiben, damit ruhe im ganzen Wirrwarr einkehrt! Es ist immer gut einige Elemente gleich zu lassen. Nicht zu viele verschiedene Ziernähte, nicht zu viele verschiedene Garnfarben. Hier ist meist weniger mehr – außer es wird als kleiner Akzent bewusst eingebunden.

Kapuze

Mit dem Geodreieck messe ich die Mitte der Kapuze und Position der Ösen aus. Ein super Hilfsmittel!

Noch einmal die genähte Kapuze angelegt – sitzt! Auch in der Kapuze lasse ich die schwarz/weiße Fakepaspel wieder auftauchen.  Wer übrigens genau hinschaut sieht, dass ich den Rückwärtsgang eingelegt habe. Das blaue Sternenlabel hat mich irgendwie dann doch gestört. Die Struktur von diesem passte nicht zum Rest und irgendwie wirkte es zu voll und nicht stimmig. Manchmal ist halt doch weniger mehr… Also musste es weichen.

Last but not least: die Bündchen

Wenn alles zusammen genäht ist, widme ich mich den Bündchen. Hier heißt es: Alles geht – nichts muss! Natürlich kann ich hier auch wild weiter tüddeln – das habe ich in verschiedensten Formen auch schon gemacht. Das kann wirklich toll aussehen! Aber hier ist im Pulli sooo viel los, dass ich der Meinung bin, dass die Bündchen einen Ruhepol bilden müssen, um einen Ausgleich zu schaffen und den Betrachter nicht zu überfordern. Immerhin besteht dieser Pulli ohne Bündchen aus 27 Einzelteilen (wenn ich mich nicht verzählt habe) – und da ist der ganze Tüddelkram noch nicht mit einerechnet!

Und da ist das gute Stück. Bei meinem Sohn sorgte er für Freudensprünge – das schönste Lob, was ich bekommen kann! Und was denkt ihr?

Der unschöne Teil des Nähens… Endloses Chaos nach stundenlanger Arbeit am Nähwerk….wer das wieder aufräumt? :/

Viel Spaß beim Ausprobieren! Liebe Grüße, Anna von moldüser.

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