Türchen sechszehn

#sewingismytherapy oder auch #nähenistmeinyoga – diese Hashtags liefern bei Instagram hunderttausende von Beiträgen. Beiträge über hübsche Nähwerke und den Entspannungsfaktor vom schönsten Hobby der Welt. Ich habe sie selbst auch schon verwendet.

Und wisst ihr was? Ich habe gelogen. Eiskalt gelogen.

Denn ich wollte ein Stück abhaben vom kleinen Ruhm, den Muttis ernten, die chilli vanilli ein Werk nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln. Ich wollte auch einer der Hobby-Blogger sein, die nicht nur Haushalt, Familie, Ehe, Freunde und Job voll im Griff haben – sondern deren adrette Kinderchen auch noch jeden Tag in einem hübschen selbstgenähten Kleidchen durch die Gegend stolzieren. Macht ja keine Arbeit, so ein schnelles Set aus Leggins, Rock, Hoodie,cooler Beanie, XL-Halstuch und Wendejacke. Ist doch schnell gemacht. Kein Problem. Mach ich abends noch schnell, wenn das Haus blitzt und die lieben Kleinen schlafen. Statt Yoga halt.

Also mal ehrlich: was mache ich falsch? Sewingisnotmytherapy – sewing is höchstens der Grund, warum ich irgendwann reif für ne echte Therapy bin. Stresst nur mich das Nähen??? Na klar – ich nähe supergern (wäre sonst halt auch echt ein dumm gewähltes Hobby). Aber es stresst mich. Ich liebe es – aber es stresst mich. Fast wie Kinder (nur ist die Liebe natürlich nicht so groß – der Stress aber auch nicht).

Schier endlose Listen…

Ich hänge im luftleeren Raum mit einer schier endlosen Liste. Eine endlose Liste aus Probenähen, geplanten Geschenken, gemeinnützigen Aktionen und Kinderwünschen. Wenn ich dann endlich beim roten Kleid mit Katzen für meine Tochter angekommen bin und mir die Nächte mit Rüschen und Raffen um die Ohren geschlagen habe… dann erfahre ich, dass Katzen nicht mehr ihre Lieblingstiere und Rot nicht mehr ihre Lieblingsfarbe sind. „Aber näh es mir doch nochmal in pink mit Einhörnern – dann ziehe ich es bestimmt an.“ Klar. Gern. Verwöhnte – ein Leben lang selbst benähte – Blagen… Vorher muss ich aber noch die neuen Kochschürzen für die Kita machen („Frau M., sie können doch nähen, oder?“). Danach dann die Vorhänge der Nachbarin kürzen („Marina, du nähst doch so gern…“) und das Probenähen für das Babyset beenden, (ohne ein Baby zu haben oder zu wollen).

#nähenistkeinyoga

Ich möchte heute also etwas Neues ins Leben rufen: neue Hashtags für die gestresste Nähmutti ohne Hochglanzblog. #sewingmakesmecrazy oder #nähenistkeinyoga . Ich nehme gern noch Vorschläge entgegen – oder bin ich echt die einzige mit dem Problem? Wir sollten das echt etablieren. Für mehr Realität auf Instagram – ihr wisst schon

😉

Mehr von Marina Meyer findest du hier:
https://www.facebook.com/Mamarina-n%C3%A4ht-396790617726000/

Das Plotterfreebie zu #nähenistkeinyoga findest du im Shop:

5 Kommentare

  1. Vielen Dank für Deine Ehrlichkeit! Vermutlich geht es fast allen so – es will nur keine zugeben. Ich finde ehrlichgesagt, dass dieses „Das Kind ist von Kopf bis Fuß benäht“ manchmal seltsame Formen annimmt – wenn zB die Schultüte aus dem gleichen Stoff ist wie das gesamte Outfit.

  2. Herrlich!!!
    Danke für den Blog!
    Und schon hast du was für mein Yoga getan. Ich denke, Lesen ist wie Yoga! Einzig, dass man sich dann gar nicht betätigt hat…weder sportlich noch genäht. Bringt also auch alles nichts. Ausser einem breiten Grinsen im Gesicht.
    Schreibst mir zumindest mal aus der Seele.
    Ich hasse dieses „ist mir von der Nadel gehüpft“ und diese schier endlos perfekten Fotos von kompletten Sets, hübsch darin aussehenden Kids vor der stets passenden Kulisse. Und die kommen im Halbtagestakt von denselben Personen…weil eben von der Maschine gehüpft.
    So, heute muss ich nur noch irgendwie 7 Stunden arbeiten, saugen oben und unten, putzen sollte ich auch, heute abend „meine“ Kids trainieren, noch ein Programm dafür im Kopf zusammenbasteln, die letzten Weihnachtskarten losschicken, überlegen, ob ich nun auch wirklich alle Weihnachtsgeschenke habe, aufhören ständig auf facebook zu schauen udn vor allem noch einen Pulli für den Junior und vor allem das Weihnachtskleid für die Tochter nähen…zuvor allerdings eins zur Probe, weil ich das Schnittmuster noch nie vorher umgesetzt habe.
    Ach, erstmal noch nen Latte macciato machen und dann ganz langsam alles abarbeiten…im Yoga-Stil!

  3. Du hast so Recht 😀
    Nähen ist großartig! Alleine die passenden Zutaten zu finden ist manchmal stressig. und wann habe ich Zeit um alles zu machen, was ich machen will?!

  4. Mir geht es schon ganz ohne Kinder oft so.
    Die To-Do Liste zu lang, die Zeit zu kurz. Dabei versuche ich mich schon zurück zu nehmen, damit ich wieder Stressfreier nähen kann. Aber ja… am ende klappt es mit einer Deadline im Nacken immer noch am besten die Dinge auch zügig fertigzustellen. Leider :/

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